TIERE
Parasiten für Schwangere gefährlich

Viele von uns leben nicht allein: 30 bis 50 % aller Europäer tragen einen winzigen Parasiten in ihrem Gehirn, ohne es zu wissen. Dieser Parasit, Toxoplasma gondii, ist ein wahrer Verwandlungskünstler, der sich jeder Umgebung und jedem Wirt anpasst. Die Toxoplasmose kommt auch bei vielen Säugetieren und Vögeln vor. Solange das Immunsystem nicht geschwächt ist, verursacht sie keine Schäden.
Der Mensch infiziert sich in erster Linie durch den Verzehr von rohem, ungenügend gekochten oder gebratenen Toxoplasma-Zysten enthaltenden Fleisch, besonders vom Schwein. Auch ist eine Ansteckung durch von infizierten Katzen mit dem Kot ausgeschiedene Oozysten möglich. Wie bei Tieren verläuft auch beim Menschen die Mehrzahl der Infektion stumm. Die gelegentlichen Erkrankungen sind uncharakteristisch: Fieber, Lymphknotenschwellung, Muskel- und Gelenksschmerzen…
Der Parasit vermehrt sich normalerweise im Darm einer infizierten Katze, um dann mit dem Kot ausgeschieden zu werden. Anschließend wartet er darauf, von Nagetieren oder Vögeln gefressen zu werden. In den meisten Fällen ist die Infektion harmlos, so dass keine Krankheitszeichen entstehen. Trotzdem nistet sich der Parasit im Gehirn der Betroffenen ein, um sich in einen Dämmerschlaf zu begeben. Seine Strategie zur Arterhaltung besteht darin, darauf zu warten, zusammen mit seinem Wirt von einer Katze gefressen zu werden, um seinen Lebenszyklus zu vervollständigen. Macht diese Taktik bei Nagetieren und Vögeln noch Sinn, ist offensichtlich, dass der Mensch eher irrtümlich infiziert wird.
Die größte Gefahr liegt in einer Infektion während der Schwangerschaft. In diesem Fall muss mit schweren Hirnschäden des Säuglings gerechnet werden. Schwangere Frauen sollten deshalb kein rohes oder ungenügend erhitztes Fleisch essen und den Kontakt mit Katzen vermeiden. Hohe Ansteckungsgefahr besteht sogar bei Garten- oder Feldarbeit, wenn dabei mit verschmutzten Händen gegessen wird. Das Risiko, sich bei Gartenarbeit oder Rohfleischverzehr eine Toxoplasmose einzufangen, ist größer als sich bei der eigenen Katze anzustecken.
Erleidet der oder die Infizierte eine massive Abwehrschwäche, z. B. während der Therapie nach einer Organtransplantation oder im Verlauf einer AIDS-Erkrankung, können die Parasiten im Gehirn aus ihrem Dämmerschlaf erwachen und das Gehirn zerstören.
Prophylaxe (vor allem für Schwangere): Verzicht auf den Verzehr von rohem Fleisch; Hygiene beim Umgang mit rohem Fleisch und bei der Gartenarbeit; Obst, Gemüse waschen; direkten Kontakt mit der Katze auf ein unerlässliches Mass einschränken und hinterher die Finger waschen; Katzenklo täglich reinigen, dabei Hundschuhe verwenden (hier kann der „Göttergatte” aushelfen); Vorsicht vor Orten, die mit Katzenkot verunreinigt sein könnten. Auch Ratten können Toxoplasmose übertragen.
Autor: Dr. Peter Kollmann

